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MHFAUnterstützung gebenLGBTQI+Internationale Schulen16.06.2025

Wie MHFA-basierte Peer-Unterstützung LGBTQI+ Schülerinnen und Schülern mehr Sicherheit gibt

Von Nick Praulins

Titelbild zum Artikel: Wie MHFA-basierte Peer-Unterstützung LGBTQI+ Schülerinnen und Schülern mehr Sicherheit gibt

Wenn sich ein LGBTQI+ Jugendlicher einer Mitschülerin oder einem Mitschüler anvertraut, ist das ein Moment von Mut und Fürsorge. Dieser Beitrag zeigt, wie Schulen sichere, tragfähige Peer-Support-Programme auf Basis der Mental Health First Aid aufbauen.

Wir wissen, dass LGBTQI+-Jugendliche oft lange vor der Kontaktaufnahme mit einer Lehrkraft oder Fachperson für psychische Gesundheit Hilfe bei Freunden suchen. Diese Momente sind wichtig. Sie können das Sicherheits-, Vertrauens- und Identitätsgefühl eines jungen Menschen prägen.

Sie können aber auch schwer zu tragen sein. Ohne Schulung oder klare Grenzen können sich Gleichaltrige überfordert, isoliert oder unsicher fühlen, was zu tun ist.

Eine wichtige Anmerkung zu Sprache und Rahmung Dieser Artikel behauptet nicht, dass Sexualität oder Geschlechtsidentität psychische Erkrankungen sind. LGBTQI+ zu sein ist keine Diagnose: Es ist eine gültige, gelebte Identität. Doch die Stigmatisierung, Isolation und Diskriminierung, denen viele LGBTQI+-Jugendliche ausgesetzt sind, können erhebliche Auswirkungen auf ihr Wohlbefinden haben. Genau hier werden die Prinzipien der Mental Health First Aid (MHFA) relevant – nicht um Identität zu pathologisieren, sondern um Gleichaltrige und Lehrkräfte mit Werkzeugen auszustatten, um mit Empathie, Struktur und Sicherheit auf Not zu reagieren. Bei Let’s Be Real haben wir mit Schulen und Schülerinnen und Schülern zusammengearbeitet, um traumainformierte LGBTQI+-Peer-Support-Programme mitzugestalten. Dieser Artikel stützt sich auf das, was wir gelernt haben, sowie auf aktuelle Erkenntnisse und bewährte Praktiken. Wenn Ihre Schule ähnliche Ansätze verfolgt, würden wir uns über einen Austausch freuen.

Eine wichtige Anmerkung zu Sprache und Rahmung

Dieser Artikel behauptet nicht, dass Sexualität oder Geschlechtsidentität psychische Erkrankungen sind. LGBTQI+ zu sein ist keine Diagnose: Es ist eine gültige, gelebte Identität. Doch die Stigmatisierung, Isolation und Diskriminierung, denen viele LGBTQI+-Jugendliche ausgesetzt sind, können erhebliche Auswirkungen auf ihr Wohlbefinden haben. Genau hier werden die Prinzipien der Mental Health First Aid (MHFA) relevant – nicht um Identität zu pathologisieren, sondern um Gleichaltrige und Lehrkräfte mit Werkzeugen auszustatten, um mit Empathie, Struktur und Sicherheit auf Not zu reagieren.

Bei Let’s Be Real haben wir mit Schulen und Schülerinnen und Schülern zusammengearbeitet, um traumainformierte LGBTQI+-Peer-Support-Programme mitzugestalten. Dieser Artikel stützt sich auf das, was wir gelernt haben, sowie auf aktuelle Erkenntnisse und bewährte Praktiken. Wenn Ihre Schule ähnliche Ansätze verfolgt, würden wir uns über einen Austausch freuen.

Warum Peer-Support für LGBTQI+-Schülerinnen und -Schüler an Schulen wichtig ist

LGBTQI+-Schülerinnen und -Schüler tragen ein höheres Risiko für psychische Erkrankungen, einschließlich Depression, Angst und Selbstverletzung. Diese Risiken entstehen oft nicht durch die Identität selbst, sondern durch Erfahrungen von Diskriminierung, Ausgrenzung und der Angst, missverstanden zu werden. Die Forschung bestätigt dies. Schülerinnen und Schüler mit unterstützenden Peer-Netzwerken und bestätigenden schulischen Umgebungen berichten deutlich bessere Ergebnisse für die psychische Gesundheit und eine geringere Suizidalität (The Trevor Project, 2022).

Dennoch zögern LGBTQI+-Schülerinnen und -Schüler oft, formelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Deshalb sind strukturierte, sichere Peer-Support-Programme an Schulen eine wesentliche Brücke – besonders wenn diese Programme die gelebten Erfahrungen und Identitäten junger Menschen widerspiegeln.

„Ich war die erste Person, der sie es erzählt haben. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte; nur, dass ich da sein musste.” - Jana, 16, Peer-Mentorin

„Ich war die erste Person, der sie es erzählt haben. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte; nur, dass ich da sein musste.” - Jana, 16, Peer-Mentorin

Häufige Risiken bei unstrukturiertem Peer-Support

Selbst die besten Absichten können Schaden anrichten, wenn Schulen Peer-Support ohne klare Grenzen oder Schulung einrichten. Zu den Risiken gehören unter anderem:

  • Emotionales Burnout: Junge Menschen tragen zu viel emotionale Last
  • Fehlinformation: Ungeschulte Gleichaltrige geben Ratschläge, die nicht sicher oder evidenzbasiert sind
  • Grenzverwirrung: Keine klaren Linien bezüglich Vertraulichkeit oder Rollengrenzen
  • Fehlende Eskalation: Ernsthafte Sorgen werden nicht an vertrauenswürdige Erwachsene weitergegeben

Eine systematische Übersichtsarbeit zu von Jugendlichen geleiteten Peer-Interventionen ergab, dass zwar Vorteile bestehen, Peer-Unterstützer jedoch ohne angemessene Supervision selbst emotionale Belastung oder Schuldgefühle erleben können (King & Fazel, 2021).

Mental Health First Aid (MHFA) für Peer-Support bei Jugendlichen anpassen

MHFA-Prinzipien, insbesondere das ALGEE-Rahmenwerk, können für die Nutzung in Peer-Programmen von Schülerinnen und Schülern angepasst werden. Auch wenn MHFA häufig Erwachsenen vermittelt wird, lassen sich die Kernideen sehr gut auf schulbasierten Peer-Support übertragen.

💡 Bringen Sie Peer-Mentorinnen und -Mentoren bei, sich als Vermittler zu sehen, nicht als Problemlöser. Diese Rahmung verringert Druck und verhindert Schaden.

Wie man ein nachhaltiges Peer-Support-Programm für LGBTQI+-Schülerinnen und -Schüler schafft

1. Gezielt rekrutieren

  • Laden Sie Bewerbungen von Menschen mit unterschiedlichen Identitäten ein, insbesondere von jenen, die in schulischen Führungsrollen häufig unterrepräsentiert sind
  • Priorisieren Sie Empathie, Zuverlässigkeit und Grenzsetzung gegenüber Beliebtheit

2. Für reale Gespräche schulen

  • Konzentrieren Sie sich auf aktives Zuhören, Risikoerkennung und sichere Weiterverweisungen
  • Beziehen Sie Rollenspiele ein, die für LGBTQI+-Erfahrungen relevant sind (z. B. familiäre Ablehnung, Pronomenwechsel, verinnerlichte Scham)

3. Klaren Rahmen und Schutzmaßnahmen festlegen

  • Definieren Sie, was Peer-Mentorinnen und -Mentoren tun können: zuhören, bestätigen, begleiten
  • Klären Sie, was sie nicht tun dürfen: Geheimnisse über Gefährdung bewahren, diagnostizieren, Therapie anbieten

4. Supervision und Nachbesprechung sind unerlässlich

  • Bestimmen Sie eine vertrauenswürdige erwachsene Person zur Unterstützung des Programms
  • Bauen Sie reflektierende Check-ins ein, um Burnout bei Gleichaltrigen vorzubeugen

5. Sichtbar machen, ohne Druck

  • Nutzen Sie freiwillige Sichtbarkeitswerkzeuge (Abzeichen, Poster, dezente Hinweise)
  • Legen Sie marginalisierten Schülerinnen und Schülern niemals ohne deren Zustimmung emotionale Last auf

Weitere Umsetzungsideen finden Sie in den Schul-Wellbeing-Ressourcen des Anna Freud Centre.

Wie Peer-Support aussehen kann: Eine zusammengesetzte Geschichte

Kai, 17, wurde im Rahmen des LGBTQI+-Peer-Listening-Netzwerks ihrer Schule geschult. Als sich ein jüngerer Schüler ihnen wegen Angstzuständen im Zusammenhang mit Mobbing anvertraute, stürzte sich Kai nicht darauf, das Problem sofort zu lösen. Sie sagten:

„Danke, dass du mir das erzählt hast. Das klingt wirklich hart. Ich kann bei dir bleiben, während wir mit unserer verantwortlichen Lehrkraft sprechen, wenn du möchtest.”

„Danke, dass du mir das erzählt hast. Das klingt wirklich hart. Ich kann bei dir bleiben, während wir mit unserer verantwortlichen Lehrkraft sprechen, wenn du möchtest.”

Der Schüler erhielt Hilfe. Kai fühlte sich unterstützt. Niemand musste es allein tragen.

Wie sich eine gesunde Peer-Support-Kultur anfühlt

  • Peer-Unterstützer kennen ihre Rolle und deren Grenzen
  • Supervision ist beständig und nicht nur reaktiv
  • LGBTQI+-Schülerinnen und -Schüler berichten, sich sicherer und besser unterstützt zu fühlen
  • Erwachsene sind einbezogen – nicht um zu kontrollieren, sondern um zu sorgen

Wenn diese Kultur existiert, wird Peer-Support zu einem Bestandteil der umfassenderen Wellbeing-Strategie Ihrer Schule und nicht zu einer isolierten Initiative.

Abschließender Gedanke

Wenn LGBTQI+-Schülerinnen und -Schüler einander mit Fürsorge, Struktur und Solidarität unterstützen, teilen sie nicht nur Geschichten – sie gestalten eine Kultur. Eine Kultur, in der gesehen zu werden nicht riskant, sondern heilsam ist.

„Empathie ohne Unterstützung führt zu Burnout. Empathie mit Struktur schafft Zugehörigkeit.”

„Empathie ohne Unterstützung führt zu Burnout. Empathie mit Struktur schafft Zugehörigkeit.”

Über LetsBe Real

Lets Be Real ist eine Organisation, die von Jugendlichen geleitete, traumainformierte Praktiken der psychischen Gesundheit unterstützt, verwurzelt in Inklusion, Gerechtigkeit und echter Verbindung. Wir gestalten gemeinsam mit Schulen, Lehrkräften und Gemeinschaften in ganz Europa.

📬 hello@letsbe-real.eu 🌍 letsbe-real.eu

Quellen

  • Hart, L. M. et al. (2018). Helping adolescents to better support their peers with a mental health problem: A cluster-randomised crossover trial of teen Mental Health First Aid. Aust N Z J Psychiatry, 52(7), 638–651. https://doi.org/10.1177/0004867417753552
  • King, T., & Fazel, M. (2021). Examining the mental health outcomes of school-based peer-led interventions on young people. PLOS ONE, 16(4), e0249553. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0249553
  • The Trevor Project. (2022). National Survey on LGBTQ Youth Mental Health. https://www.thetrevorproject.org/survey-2022/
  • Anna Freud Centre. (n.d.). Establish a peer support programme in your school or college. https://www.annafreud.org/resources/schools-and-colleges/5-steps/promoting-wellbeing/

Ursprünglich veröffentlicht auf letsbe-real.eu.