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Internationale SchulenLehreralltagLeadership26.05.2025

Wohlfühl-Wellness oder echte psychische Unterstützung: den Unterschied erkennen

Von Nick Praulins

Titelbild zum Artikel: Wohlfühl-Wellness oder echte psychische Unterstützung: den Unterschied erkennen

Unterstützen Ihre Maßnahmen das Wohlbefinden des Kollegiums wirklich - oder überdecken sie nur tieferliegende Probleme? Erfahren Sie, worin sich oberflächliche Wohlfühlangebote von wirksamen, evidenzbasierten Maßnahmen unterscheiden.

Es ist Ende Mai. Die Ziellinie des europäischen Schuljahres ist in Sicht. Doch statt Vorfreude empfinden viele Lehrkräfte etwas ganz anderes: Erschöpfung. Das Flüstern über Burnout wird lauter, und die wissenschaftliche Forschung bestätigt diese Realität eindeutig. Burnout ist ein dokumentierter psychologischer Zustand, definiert durch emotionale Erschöpfung, Depersonalisierung und ein vermindertes Gefühl persönlicher Leistungsfähigkeit (Maslach & Leiter, 2016).

Oberflächliche Reaktionen versus systemische Lösungen

Unsere instinktive Reaktion besteht oft in einer Welle von Wellness-Initiativen wie Achtsamkeits-Apps, Snacks, gelegentlichen Yoga-Sitzungen und Motivationsplakaten (und ja, in einem früheren Leben habe ich mich all dessen schuldig gemacht). Auch wenn diese Bemühungen aus guten Absichten entstehen, zeigt die Forschung, dass sie Burnout selten wirksam lösen, da sie die tieferliegenden, systemischen Probleme nicht angehen – einschließlich überwältigender Arbeitsbelastung, mangelnder Autonomie und unzureichender emotionaler Unterstützung (Leiter & Maslach, 2005).

Echte Unterstützung der psychischen Gesundheit: Psychologische Sicherheit

Seien wir ehrlich: Wohlfühl-Wellness ist besser als nichts, aber sie reicht nicht aus. Echte Unterstützung der psychischen Gesundheit ist tiefgreifender und strukturierter. Die Forschung betont die Bedeutung psychologischer Sicherheit, definiert als die Schaffung von Arbeits- oder Schulumgebungen, in denen sich Menschen wohlfühlen, offen über Schwierigkeiten zu sprechen, ohne negative Konsequenzen fürchten zu müssen (Edmondson, 2019). Diese Sicherheit entsteht nicht von selbst; sie erfordert bewusste, kontinuierliche Anstrengung.

Praktische Fähigkeiten und Protokolle

In der Praxis bedeutet dies, Teams mit klaren, evidenzbasierten Fähigkeiten auszustatten, wie zum Beispiel:

  • frühzeitiges Erkennen von Burnout-Symptomen;
  • selbstsicheres Einleiten empathischer Gespräche; und
  • strukturierte Richtlinien für eine wirksame Reaktion.

Kurze emotionale Check-ins bei Teambesprechungen sind beispielsweise ein evidenzbasierter Ansatz, der nachweislich das Wohlbefinden und die Offenheit innerhalb von Teams deutlich verbessert (Reeve et al., 2019). Klare Protokolle für den Umgang mit Notsignalen helfen dabei, eine proaktive, reaktionsfähige Kultur zu etablieren (Leiter & Maslach, 2016).

Realitätscheck: Über das „Durchhalten” hinaus

Als Trainerin für Mental Health First Aid und ehemalige Schulleiterin weiß ich, dass die Realität oft ganz anders aussieht. Viele Teams glauben immer noch, dass die Lösung für Burnout einfach im „Durchhalten” liegt. Die Forschung zeigt jedoch eindeutig, dass eine spontane Auflösung von Burnout ohne strukturierte Interventionen selten geschieht (Schaufeli et al., 2009). Ein wirksames Management von Burnout erfordert bewusste Anstrengung und praktische Fähigkeiten und nicht nur vorübergehende Entlastung.

Ins Handeln kommen: Strukturierte, evidenzbasierte Schritte

Reflektieren Sie ehrlich über den Ansatz Ihrer Organisation. Gehen Sie Burnout wirklich an, oder wenden Sie oberflächliche Lösungen an? Ziehen Sie strukturierte, forschungsgestützte Maßnahmen in Betracht, wie zum Beispiel:

  • Schulung von Führungskräften und Mitarbeitenden in Mental Health First Aid.
  • Entwicklung klarer Protokolle für den Umgang mit Burnout.
  • Einführung regelmäßiger, strukturierter emotionaler Check-ins bei Teambesprechungen.

Diese praktischen Schritte sind nachweislich deutlich wirksamer als oberflächliche Gesten (Kitchener & Jorm, 2008).

Abschließende Überlegungen

Welchen bewussten Schritt kann Ihr Team am Ende dieses Schuljahres unternehmen, um aus Wohlfühl-Wellness echte, unterstützende Strategien für die psychische Gesundheit zu machen?

Burnout wird nicht durch Snacks und Parolen gelöst. Es wird durch evidenzbasierte Fähigkeiten, strukturierte Gespräche und bewusste, mitfühlende Handlungen bewältigt.

Es ist an der Zeit, dass wir alle diesen Unterschied erkennen.

Quellen

Edmondson, A. C. (2019). The fearless organisation: Creating psychological safety in the workplace for learning, innovation, and growth. Wiley.

Kitchener, B. A., & Jorm, A. F. (2008). Mental health first aid: An international programme for early intervention. Early Intervention in Psychiatry, 2(1), 55–61. 10.1111/j.1751-7893.2007.00056.x

Leiter, M. P., & Maslach, C. (2005). Banishing burnout: Six strategies for improving your relationship with work. Jossey-Bass.

Maslach, C., & Leiter, M. P. (2016). Understanding the burnout experience: Recent research and its implications for psychiatry. World Psychiatry, 15(2), 103–111. 10.1002/wps.20311

Reeve, J., Cheon, S. H., & Jang, H. R. (2019). Supporting student motivation through emotional engagement strategies. Journal of Educational Psychology, 111(7), 1321–1332. 10.1037/a0012841

Schaufeli, W. B., Leiter, M. P., & Maslach, C. (2009). Burnout: 35 years of research and practice. Career Development International, 14(3), 204–220.

West, C. P., Dyrbye, L. N., Erwin, P. J., & Shanafelt, T. D. (2016). Interventions to prevent and reduce physician burnout: A systematic review and meta-analysis. The Lancet, 388(10057), 2272–2281. https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(16)31279-X/abstract

Ursprünglich veröffentlicht auf letsbe-real.eu.