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Ratgeber für Eltern

Warnzeichen erkennen - und das Gespräch beginnen

Die meisten Eltern merken, dass etwas anders ist, lange bevor sie Worte dafür haben. Dieser Ratgeber ordnet, worauf es zu achten lohnt, wie ein erstes Gespräch gelingt und wann professionelle Hilfe dazugehört.

Er ersetzt keine Diagnose und keine Therapie. Er hilft dabei, früher zu bemerken und ruhiger zu reagieren.

Worauf achte ich - über Wochen, nicht über Tage?

  • Rückzug: weniger Kontakt zu Freundinnen und Freunden, kaum noch Hobbys
  • Schlaf und Appetit verändern sich deutlich und bleiben verändert
  • Reizbarkeit, Erschöpfung oder häufige Bauch- und Kopfschmerzen
  • Schule: Fehlzeiten, Leistungsabfall, Angst vor dem Hingehen
  • Selbstabwertende Sätze über sich, den Körper oder die Zukunft

Wie steige ich in das Gespräch ein?

Beobachtung benennen, offene Frage stellen, Pause aushalten. Zum Beispiel: "Mir ist aufgefallen, dass du in letzter Zeit oft früh ins Zimmer gehst. Wie geht es dir gerade damit?" Nebenbei-Situationen ohne Blickkontakt senken die Hürde.

Was hilft im Gespräch - und was nicht?

  • Hilft: zuhören, wiederholen, was Sie verstanden haben, Gefühle gelten lassen
  • Hilft: fragen, was Ihr Kind sich von Ihnen wünscht
  • Hilft nicht: sofort Lösungen, Vergleiche, Beschwichtigung
  • Hilft nicht: absolute Verschwiegenheit zusagen

Wann hole ich Hilfe - und wo?

  • Anhaltend über mehrere Wochen und einschränkend im Alltag: Kinder- und Jugendarztpraxis, Terminservicestelle 116 117
  • Schulbezogen: Klassenleitung, Beratungslehrkraft, Schulsozialarbeit
  • Beratung für Jugendliche: Nummer gegen Kummer 116 111
  • Beratung für Eltern: Elterntelefon 0800 111 0 550
  • Akute Gefahr: Notruf 112, TelefonSeelsorge 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222

Häufige Fragen

Woran erkenne ich, dass mein Kind psychisch belastet ist?
Achten Sie weniger auf einzelne Auffälligkeiten als auf Veränderungen, die länger als zwei bis drei Wochen anhalten: Rückzug von Freundinnen und Freunden, veränderter Schlaf oder Appetit, Reizbarkeit, nachlassende Leistungen, häufige Bauch- oder Kopfschmerzen, Verlust von Interesse an Dingen, die vorher wichtig waren. Entscheidend ist das Muster über die Zeit, nicht der einzelne schlechte Tag.
Wie spreche ich mit meinem Teenager über psychische Gesundheit?
Beschreiben Sie, was Sie konkret beobachtet haben, statt zu diagnostizieren: "Mir fällt auf, dass du seit ein paar Wochen kaum noch rausgehst." Stellen Sie danach eine offene Frage und halten Sie die Stille aus. Ein Gespräch nebenbei - im Auto, beim Spazieren, beim Abwasch - fällt vielen Jugendlichen leichter als ein angekündigtes Gespräch am Küchentisch.
Was sage ich besser nicht?
Vermeiden Sie Sätze, die die Belastung kleinreden ("Das geht vorbei", "Andere haben es schlimmer") oder sofort Lösungen liefern. Auch Versprechen wie "Ich sage es niemandem" sind riskant: Sie können sie bei einer Gefährdung nicht halten. Sagen Sie stattdessen zu, gemeinsam zu entscheiden, wer noch einbezogen wird.
Mein Kind will nicht reden. Was jetzt?
Ein "Nein" ist selten endgültig. Benennen Sie, dass Sie da sind, und bleiben Sie verlässlich erreichbar: kurze, wiederkehrende Angebote wirken besser als ein langes Gespräch unter Druck. Hilfreich ist auch, eine zweite vertrauenswürdige erwachsene Person anzubieten - eine Lehrkraft, die Schulsozialarbeit, eine Verwandte.
Wann brauche ich professionelle Hilfe?
Wenn Beschwerden mehrere Wochen anhalten, den Alltag deutlich einschränken (Schule, Schlaf, Freundschaften) oder wenn Selbstverletzung, Essverhalten oder Suizidgedanken eine Rolle spielen. Erste Anlaufstellen sind die Kinder- und Jugendarztpraxis, die schulische Beratung und die Terminservicestelle unter 116 117.
Was tue ich, wenn mein Kind Suizidgedanken äußert?
Fragen Sie direkt nach - Nachfragen erhöht das Risiko nicht. Lassen Sie Ihr Kind nicht allein, entfernen Sie Zugang zu Mitteln, mit denen es sich verletzen könnte, und holen Sie noch am selben Tag Hilfe. In akuten Situationen: Notruf 112 oder die nächste kinder- und jugendpsychiatrische Ambulanz. Die TelefonSeelsorge ist rund um die Uhr unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222 erreichbar.
Wie spreche ich mit der Schule darüber?
Bitten Sie um ein Gespräch mit der Klassenleitung oder der Beratungslehrkraft und schildern Sie Beobachtungen, keine Bewertungen. Fragen Sie konkret: Wer ist Ansprechperson? Was wird dokumentiert? Wer wird informiert? Schulen, die eine gemeinsame Sprache für psychische Gesundheit haben, können darauf sofort antworten.
Woher bekomme ich als Elternteil selbst Unterstützung?
Das Elterntelefon der Nummer gegen Kummer berät kostenfrei unter 0800 111 0 550; Jugendliche erreichen die Nummer gegen Kummer unter 116 111. Wenn Sie das Thema strukturiert angehen wollen, ist unser NOTICE-Elternworkshop dafür gemacht: vier Stunden in zwei zweistündigen Live-Sitzungen.

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Erzählen Sie uns kurz von Ihrer Schule oder Familie - wir antworten mit Terminen, Formaten und Preisen, in der Regel innerhalb eines Werktages.

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