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Ratgeber für Lehrkräfte

Im Schulalltag reagieren, ohne Therapeutin oder Therapeut zu sein

Die meisten Gespräche über psychische Belastung passieren ungeplant: auf dem Flur, nach dem Unterricht, in einer Randnotiz in einem Aufsatz. Dieser Ratgeber gibt Formulierungen, Abgrenzungen und einen klaren Weg zur Weitergabe.

Er ersetzt keine Fortbildung und keine schulischen Kinderschutzverfahren, sondern macht sie im Alltag anwendbar.

Drei Schritte, die immer gelten

  • NOTICE - Veränderung bemerken und beschreiben, nicht bewerten
  • HOLD - im Gespräch bleiben, zuhören, das Tempo nicht überholen
  • LEAD - an die zuständige Stelle weiterleiten und dokumentieren

Sätze, die tragen

  • "Mir ist aufgefallen, dass ... Wie geht es dir damit?"
  • "Danke, dass du mir das sagst. Das war vermutlich nicht leicht."
  • "Ich kann das nicht für mich behalten. Ich sage dir, mit wem ich spreche."
  • "Was würde dir jetzt am meisten helfen?"

Bei Suizidgedanken

  • Direkt fragen: "Denkst du daran, dir das Leben zu nehmen?"
  • Nicht allein lassen, keine Vertraulichkeit zusagen
  • Noch am selben Tag an die zuständige Stelle übergeben
  • Akute Gefahr: Notruf 112; Beratung rund um die Uhr: 0800 111 0 111 / 0800 111 0 222
  • Für Jugendliche: Nummer gegen Kummer 116 111

Eigene Belastung ernst nehmen

  • Rollengrenze aussprechen - auch sich selbst gegenüber
  • Nach belastenden Gesprächen kollegial abladen
  • Übergaben festhalten, damit Verantwortung geteilt ist
  • Wiederkehrende Belastung in der Schulleitung ansprechen

Häufige Fragen

Wie reagiere ich, wenn eine Schülerin oder ein Schüler von Suizidgedanken spricht?
Ruhig bleiben, direkt nachfragen, nicht allein lassen. Direktes Nachfragen erhöht das Risiko nicht. Sagen Sie klar, dass Sie diese Information nicht für sich behalten können und wen Sie einbeziehen, und geben Sie die Situation noch am selben Tag an die zuständige Stelle Ihrer Schule ab. Bei akuter Gefahr: Notruf 112.
Was sage ich - und was besser nicht?
Hilfreich: benennen, was Sie beobachtet haben, offen fragen, zuhören, das Tempo der Schülerin oder des Schülers halten. Ungünstig: bagatellisieren, sofort Ratschläge geben, nach Gründen bohren oder absolute Verschwiegenheit zusagen.
Muss ich Vertraulichkeit versprechen?
Nein - und Sie sollten es nicht. Erklären Sie früh, dass Sie manches weitergeben müssen, um zu helfen, und dass Sie ankündigen, an wen. Diese Ehrlichkeit trägt das Vertrauen länger als ein Versprechen, das Sie brechen müssen.
Wie führe ich ein kurzes Gespräch zwischen zwei Unterrichtsstunden?
Fünf Minuten reichen für den Einstieg: Beobachtung nennen, fragen, wie es geht, zuhören, einen konkreten nächsten Termin oder eine Ansprechperson anbieten. Ein Gespräch muss nicht abgeschlossen werden - es muss weitergehen können.
Wann gebe ich ab - und an wen?
Sobald Hinweise auf Selbstverletzung, Suizidgedanken, Gewalt, Vernachlässigung oder eine deutliche Alltagsbeeinträchtigung bestehen. Empfängerin ist die in Ihrer Schule festgelegte Stelle: Beratungslehrkraft, Schulsozialarbeit, Kinderschutzbeauftragte oder Schulleitung. Dokumentieren Sie sachlich, was Sie beobachtet und gesagt haben.
Wie schütze ich mich selbst?
Klare Rollengrenzen (Sie sind Lehrkraft, nicht Therapeutin oder Therapeut), Übergabe statt Alleinverantwortung, kollegialer Austausch nach belastenden Gesprächen und ein Abschluss des Arbeitstags, der nicht im Kopf weiterläuft. Schulen sollten Entlastung strukturell einplanen, nicht individuell voraussetzen.
Was, wenn ich mich unsicher fühle?
Unsicherheit ist normal und kein Grund zu schweigen. Sie müssen nicht das Richtige sagen - Sie müssen bemerken, im Gespräch bleiben und weiterleiten. Genau diese drei Schritte trainiert Youth Mental Health Response: NOTICE, HOLD, LEAD.
Gilt das auch für neurodivergente Schülerinnen und Schüler?
Ja, mit einer Ergänzung: Belastung kann anders aussehen und durch Maskieren länger unsichtbar bleiben. Achten Sie auf Veränderung gegenüber dem individuellen Normalzustand statt auf ein allgemeines Bild von "auffällig".

Fragen Sie uns zu diesem Programm

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