- Wie reagiere ich, wenn eine Schülerin oder ein Schüler von Suizidgedanken spricht?
- Ruhig bleiben, direkt nachfragen, nicht allein lassen. Direktes Nachfragen erhöht das Risiko nicht. Sagen Sie klar, dass Sie diese Information nicht für sich behalten können und wen Sie einbeziehen, und geben Sie die Situation noch am selben Tag an die zuständige Stelle Ihrer Schule ab. Bei akuter Gefahr: Notruf 112.
- Was sage ich - und was besser nicht?
- Hilfreich: benennen, was Sie beobachtet haben, offen fragen, zuhören, das Tempo der Schülerin oder des Schülers halten. Ungünstig: bagatellisieren, sofort Ratschläge geben, nach Gründen bohren oder absolute Verschwiegenheit zusagen.
- Muss ich Vertraulichkeit versprechen?
- Nein - und Sie sollten es nicht. Erklären Sie früh, dass Sie manches weitergeben müssen, um zu helfen, und dass Sie ankündigen, an wen. Diese Ehrlichkeit trägt das Vertrauen länger als ein Versprechen, das Sie brechen müssen.
- Wie führe ich ein kurzes Gespräch zwischen zwei Unterrichtsstunden?
- Fünf Minuten reichen für den Einstieg: Beobachtung nennen, fragen, wie es geht, zuhören, einen konkreten nächsten Termin oder eine Ansprechperson anbieten. Ein Gespräch muss nicht abgeschlossen werden - es muss weitergehen können.
- Wann gebe ich ab - und an wen?
- Sobald Hinweise auf Selbstverletzung, Suizidgedanken, Gewalt, Vernachlässigung oder eine deutliche Alltagsbeeinträchtigung bestehen. Empfängerin ist die in Ihrer Schule festgelegte Stelle: Beratungslehrkraft, Schulsozialarbeit, Kinderschutzbeauftragte oder Schulleitung. Dokumentieren Sie sachlich, was Sie beobachtet und gesagt haben.
- Wie schütze ich mich selbst?
- Klare Rollengrenzen (Sie sind Lehrkraft, nicht Therapeutin oder Therapeut), Übergabe statt Alleinverantwortung, kollegialer Austausch nach belastenden Gesprächen und ein Abschluss des Arbeitstags, der nicht im Kopf weiterläuft. Schulen sollten Entlastung strukturell einplanen, nicht individuell voraussetzen.
- Was, wenn ich mich unsicher fühle?
- Unsicherheit ist normal und kein Grund zu schweigen. Sie müssen nicht das Richtige sagen - Sie müssen bemerken, im Gespräch bleiben und weiterleiten. Genau diese drei Schritte trainiert Youth Mental Health Response: NOTICE, HOLD, LEAD.
- Gilt das auch für neurodivergente Schülerinnen und Schüler?
- Ja, mit einer Ergänzung: Belastung kann anders aussehen und durch Maskieren länger unsichtbar bleiben. Achten Sie auf Veränderung gegenüber dem individuellen Normalzustand statt auf ein allgemeines Bild von "auffällig".